Worum geht es im Arbeitskreis für Therapie und Pädagogik? 

Die moderne Gesellschaft verlangt vom menschlichen Bewusstsein Gedanken, die sich durch praktische Anwendung innerhalb eines allerdings geschichtlich schwankenden Er­fahrungsrahmens zu bewähren haben. Objekt dieser Anwendung ist die gegenständlich-stoffliche Welt, zu welcher auch der Mensch selbst, ja sogar letztlich sein Bewusstsein gerechnet wird. Von der historisch älteren Ideenauffassung, nach welcher es das am Menschen Seelische sei, welches sich mit den Gedankenleistungen des Bewusstseins zu verbinden habe, ist man also inzwischen sehr weit entfernt. Das Lebensklima trägt so einen massiv naturwissenschaftlich-technisch geprägten Charakter. Seit man Maschinen bauen, das heißt Natur so konstruieren kann, dass sie artifiziell funktioniert, sind sowohl Denken wie Wollen ihrerseits als Bereiche interpretiert, die als Regelwerke eingerichtet werden müssen. Impulse, seien sie nun moralisch, aesthetisch oder denkerisch, werden in ihrem Zusammenhang mit der ihnen einwohnenden individuellen Quelle perhorresziert. Wie sich auf einem solchen Boden allerdings neben dem Zusammenwirken technischer Einrichtungen das menschliche Zusammenleben in seiner Eigenständigkeit forterhalten soll, ist zu einer Frage geworden, in der zunächst kein Gedankenlicht entzündet wird. Fast folgerichtig durchdringt die sozialen Verhältnisse das politische, wirtschaftliche und kulturelle Chaos. Leider führt eine solche Einsicht nirgends unmittelbar zum Erlebnis der Fähigkeit, korrigierend in das irritierte Leben einzugreifen. Weshalb ist das so? Die bisherige Gesamtentwicklung der Wissenschaft gibt darüber einige Auskunft. Dem Menschen ist die von ihm wahrgenommene Welt nie als etwas bewusst geworden, was wirklich zu ihm gehört. Er denkt darüber nach, weil er sich in seinem Dasein davon abhängig fühlt, und er setzt das Gedachte in eine Praxis um, von der er hofft, sie mache sein Dasein sicherer. Aber erst durch den Übergang von einer ethisch-religiös durchäderten Lebensstimmung zur strikt technischen konnte ihm gegenübertreten, dass er tatsächlich Gefangener der Welt ist. Im nächsten Schritt widerfährt ihm, wie er nun auch zum Gefangenen seiner eigenen Produktionen wird. Und da in ihnen jenes Bedürfnis forttickt, aus dem heraus er überzeugt war, sie zum Ausdruck dessen zu machen, was ihn seine Gedanken dem Kriterium der Praktikabilität unterstellen lässt, verfolgt ihn selbiges mit allen Konsequenzen, die seiner Einführung ins Leben entsprechen. Soll überhaupt davon die Rede sein, man sei nicht zur Ohnmacht verurteilt, geht es zuallernächst darum, die Prozesse erstmals zurückzuerinnern, durch welche das Bewusstsein aus seinen Gedanken dingliche Gebilde hervorgehen lässt. Dazu aber bedarf es der Einsicht in den ihrerseits diese Gedanken erst schaffenden Vorgang. Der Mensch wäre also, auf die Natur seines Erkennens hin befragt, jemandem zu vergleichen, der sich so sehr daran gewöhnt hat, die Welt, in welcher er lebt, durch einen Spiegel zu betrachten, dass er jetzt überzeugt sein muss, der Gedanke des Spiegels verweise schlichtweg auf nichts. Vermag man eben bezeichneten kritischen Punkt zu durchschreiten, betritt man erstmals eine Art von Bewusstsein, bei welchem die einleitend geschilderte Erkenntnisprozedur gleichsam vom Kopf auf die Füße gestellt wird. Man wird nämlich die Gedanken vor jene Instanz als ihren Richter beordern, die zuvor das Bewusstsein ist, aus dem sie hervorgehen. Denn wer sonst sollte über ihre Dignität urteilen? Wird die damit aufgedeckte Doppelfunktion des Bewusstseins im Denken und des Denkens im Bewusstsein nicht durchschaut, lässt sich einzig der Mythos von Sisyphos leben. Man ahnt zumindest, die Einrichtung einer diesen Umschwung vorbereitenden Erkenntnisart sei so vordringlich wie schwierig. Vor allem der in solchen solches darstellenden Worten vorkommende Ernst schreckt ab. Verzichtet man jedoch auf das süße Gift der Ideologie, vermag man zu sehen, dieser Ernst sei der Hüter einer unverzichtbaren Chance, die dem Menschen der Gegenwart und der Zukunft, dem Kind, das jener erzieht, zufließen kann und zufließen muss. Man wird also, will man beispielsweise wissen, worin Erziehung, dasjenige also, was jedermann wenigstens einmal durchlebt, Wurzeln schlagen könne, um rein menschliche Blüten zu treiben, sein eigenes Selbstverständnis kaum noch von dessen Verhältnis zu den Antworten trennen können, die ihm auf die Frage nach der Erziehung einwohnen. Erfährt der heranwachsende Mensch nicht, in was für einer Doppelsinnigkeit sein Bewusstsein vorhanden ist, bleibt er über den Zeitpunkt hinaus blind, bis zu welchem ihn die Gesellschaft an die Hand nehmen kann. Wer dem gegenüber einwendet, die Erziehenden seien doch wohl, glaube man an die hier vorgelegten Ausführungen, auch blind, der übersieht, dass zumindest dem modernen Erwachsenen unbestechliche Zeugen den Weg kreuzen, die von genau einer solchen für unmöglich gehaltenen Wende sprechen. Ließe man es nur darauf ankommen, jeder Heranwachsende müsse selber lernen, sich jener Blindheit bewusst zu werden, bestünde die Gesellschaft zukünftig bloß noch aus pädagogisch leeren Praktiken zur Aufzucht der jeweiligen Zukunftsgeneration. Denn der materialistische Druck lastet inzwischen auf den Gemütern noch nicht voll entwickelter Subjekte alternativloser als auf jenen, die noch irgendwie durch eine Erziehung hindurchgegangen sind, die ihnen die substanzielle Fallibilität des Menschen verspürbar machte. Je kleiner dieser Kreis würde, desto mehr müsste das Menschsein als Ort erscheinen, auf welchem man sich so zu beweisen habe, wie der Ochse vor dem Pflug oder der Quarzkristall in der Uhr. Das wunderbare Wort vom "Menschen als Mängelwesen" öffnet, materialistisch verstanden, die Pforte zur Inhumanität, das heißt, zur methodisch perfekt praktizierten Exstirpation des Humanum. Andernfalls die Pforte zur Nächstenliebe. In einer auf Grau­samkeiten hinorientierten Globalität klingt vor allem eben verwendetes Substantiv lächerlich. Aber man kann und man wird, auch wenn man jede Berührung mit den Resten jener älteren Erziehungsart verloren hat, ja dennoch erwähnter Fallibilität wiederbegegnen, dann allerdings im knackenden Gebälk einer zunehmend überlasteten Weltarchitektur, in ökologischen, politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Erschütterungen, deren Ursprung der Mensch geworden ist. - Soviel, um das Verständnis nebenstehenden Veranstaltungsprogramms zu ermöglichen.